Mythos 1: "Zeitarbeit ist nur der absolute Notnagel, wenn Menschen woanders keinen Job finden."

Fakt ist: "Heutzutage arbeiten in der Branche viele Menschen, für die Zeitarbeit ein echtes Karrieresprungbrett ist."  

 

Für Hochqualifizierte wird die Zeitarbeit immer attraktiver. Das zeigt sich schon in Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA): Danach verfügten 2013 nur 5,6% der Zeitarbeitskräfte über einen akademischen Abschluss. 2017 waren es schon 7,9% und 2020 9,8% (jeweils Stichtag 30. Juni). Damit ist der Anteil der Akademiker in der Branche in nicht einmal 10 Jahren um 75% gestiegen. Gerade im hochqualifizierten Bereich bietet die Zeitarbeit sehr gute Bedingungen auch für Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger, die sich zunächst erproben und dann den für sie dauerhaft passenden Arbeitgeber finden können. Personaldienstleister sind zudem bevorzugter Ansprechpartner für all die Menschen, die eine Alternative suchen zwischen traditioneller Festanstellung mit Tarifverträgen einerseits und Freiberuflichkeit beziehungsweise Selbstständigkeit andererseits, aber auch für Menschen, die einfach besondere Flexibilitätsansprüche haben.

Dass Zeitarbeit aber auch kein Notnagel für Menschen ist, die auf Arbeitssuche sind, zeigt eine Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) aus den Jahren 2018/19 unter rund 8.300 Zeitarbeitskräften: Rund vier von zehn Zeitarbeitskräften suchen eine längerfristige Perspektive in der Zeitarbeit. Dies war insbesondere bei Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung der Fall. Sie sehen in der Beschäftigungsaufnahme in der Zeitarbeit Vorzüge für die eigene berufliche Entwicklung. Dabei gelingt laut BA einem Großteil der ehemals Arbeitslosen dank der Zeitarbeit ein nachhaltiger, dauerhafter Zugang zum Arbeitsmarkt: 70% der Menschen, die zuvor keine Arbeit hatten, waren auch noch nach einem Jahr weiterhin in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, entweder innerhalb oder außerhalb der Zeitarbeit. Für alle diese Menschen war die Zeitarbeit ein echtes Karrieresprungbrett, denn sie konnten sich bei einem Personaldienstleister beweisen.

Mythos 2: "In der Zeitarbeit wird schlecht bezahlt!"

Fakt ist: "In der Zeitarbeit wird nach Tarif bezahlt. Und für gesuchte Fachkräfte gibt es 'nach oben' kaum Grenzen."

Die Zeitarbeitsbranche hat 2012 noch vor der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns eine allgemeinverbindliche Lohnuntergrenze eingeführt. Sie ist identisch mit der untersten Entgeltstufe der Tarifverträge der Zeitarbeit und im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz festgeschrieben. Vereinbart wurde die Lohnuntergrenze auf der einen Seite von der DGB-Tarifgemeinschaft Zeitarbeit, der alle acht Einzelgewerkschaften des DGB angehören, und auf der anderen Seite von der Verhandlungs­gemeinschaft Zeitarbeit (VGZ), die aus den beiden Arbeitgeberverbänden BAP und iGZ besteht.

Dieser spezielle Mindestlohn für Zeitarbeitnehmer, die einfachste Tätigkeiten ausüben, liegt seit dem 1. April 2021 im gesamten Bundesgebiet bei 10,45 Euro. Vom 1. April 2022 bis zum 31. Dezember 2022 sind es dann 10,88 Euro. Somit liegt er spürbar über dem allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 9,50 Euro (ab 1. Juli 2021: 9,60 Euro). Die Tarifabschlüsse der Sozialpartner haben im Übrigen dazu geführt, dass die Löhne für Zeitarbeitskräfte, die einfachste Tätigkeiten ausführen und deshalb in der untersten Entgeltgruppe eingruppiert sind (EG 1), zwischen dem 1. Halbjahr 2010 und dem 2. Halbjahr 2019 im Westen um 34% und im Osten sogar um 50,5% gestiegen sind und in den östlichen Bundesländern zwischen 2019 und 2022 noch einmal um weitere 12,6% steigen werden.

Seit dem 1. November 2012 sind zudem sukzessive Branchenzuschlagstarifverträge in Kraft getreten, die mit den DGB-Gewerkschaften ausgehandelt wurden. So ist geregelt, dass Zeitarbeitnehmer, die im selben Kundenbetrieb eingesetzt werden, nach vier bzw. sechs Wochen Zuschläge auf die tariflich vereinbarten Entgelte erhalten. Die Höhe der Zuschläge steigt dabei mit der Dauer des Einsatzes im selben Kundenbetrieb an und kann zu einem Aufschlag von bis zu 67% führen. Der höchste Tariflohn der Zeitarbeit erreicht somit 37,60 Euro pro Stunde für Hochqualifizierte (EG 9 mit Branchenzuschlag der Metall- und Elektroindustrie nach 15 Monaten Einsatz im selben Kundenunternehmen).

Die Arbeitnehmer in der Zeitarbeit profitieren zudem flächendeckend von den ausgehandelten Tariflöhnen, denn die Tarifabdeckung beträgt nahezu 100% – ausschließlich mit DGB-Tarifverträgen. Somit ist die Zeitarbeit hier Vorreiter und im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen beispiellos.

Aber die Löhne aus den DGB-Tarifverträgen sind nicht das Ende der Fahnenstange. Gesuchte Fachkräfte werden mittlerweile in der Regel übertariflich bezahlt, wie hinlänglich aus der Debatte um die Zeitarbeit in der Pflege bekannt ist. Dasselbe gilt für andere gesuchte Berufsgruppen wie beispielsweise IT-Fachkräfte.

Quelle: Bundesverband der Personaldienstleister (BAP), 2021.